| |
So hält sich
ein Segelflugzeug längere Zeit ohne Motor in der Luft
|
Hangaufwind
Ein Wind, der in der
Ebene horizontal weht, wird durch ein Hindernis nach oben
abgelenkt. Im aufsteigenden Teil des Luftstromes kann sich
ein Segelflugzeug nach oben tragen lassen. Solche Aufwinde
reichen mitunter doppelt so hoch wie das Hindernis. Der
Hangaufwind war lange Zeit die einzige bekannte
Energiequelle für längere Flüge. Er ist auch die
beständigste.
Leider hat der
Hangaufwind einige wesentliche Nachteile. Erstens ist er nur
in gebirgigen Gebieten anzutreffen, und zweitens ist die
Höhe, die man mit ihm erreichen kann, sehr begrenzt. Er ist
außerdem abhängig von Windrichtung und -geschwindigkeit.
|
Thermik
Diese Aufwinde
entstehen, wenn Blasen aus warmer Luft vom Erdboden
aufsteigen. Daher werden sie auch thermische Aufwinde oder
kurz "Thermik" genannt. Allerdings muß noch eine zweite
wichtige Voraussetzung erfüllt sein, damit wirklich nutzbare
Aufwinde entstehen können: die labile Luftschichtung.
Der Wirkmechanismus dieser
Aufwinde und die Bedeutung der Luftschichtung wird bei einem
kurzen Ausblick auf die Grundlagen der Physik deutlich: Beim
Aufstieg in die Höhe dehnt sich die Luft aus, da der
Luftdruck abnimmt. Dadurch nimmt gleichzeitig die Temperatur
der aufsteigenden Luft ab.
Wenn die Umgebungstemperatur
mit zunehmender Höhe gleich bleibt, hat die aufsteigende
Luft aufgrund ihrer Abkühlung in genügend großer Höhe
schließlich die gleiche Temperatur wie die Umgebung. Dann
hört die Steigbewegung auf. Ein solche Temperaturverteilung
heißt stabile Schichtung und ist ungeeignet für die
Entwicklung von Thermik. Da sich die Luft während des
Aufstiegs zwischen 0,6 und 1 Grad je hundert Meter abkühlt,
würde eine anfangs um 10 Grad wärmere Luftblase nur 1000
Meter steigen. In Wirklichkeit treten derart extrem große
Temperaturunterschiede praktisch nicht auf. Selbst ein
großes Kraftwerk mit seinen Kühltürmen würde nur einen
wenige hundert Meter hoch reichenden Aufwind erzeugen
können. Trotzdem gelingt es Vögeln und auch Segelflugzeugen
in der Thermik viel höher zu steigen als nur wenige hundert
Meter.
Nun weiß zumindest jeder,
der schon einmal in den Bergen war, daß die
Umgebungstemperatur mit zunehmender Höhe normalerweise recht
schnell abnimmt. Wesentlich ist nun, wie schnell genau die
Umgebungstemperatur mit zunehmender Höhe fällt. Wird es
schneller kälter, als die aufsteigende Luft während ihres
Steigens an Temperatur verliert, bleibt die aufsteigende
Luft trotz ihrer Abkühlung immer wärmer als die Umgebung.
Dann steigt die Luft immer weiter, unter Umständen mehrere
tausend Meter hoch. Wenn eine solche Aufstiegsbewegung erst
einmal begonnen hat, erfaßt sie auch die umgebende Luft, die
anfangs gar nicht wärmer war. Indem diese in höhere Lagen
gelangt und dabei langsamer abkühlt, ist auch diese Luft
schließlich wärmer als die Umgebung und trägt zum Aufwind
bei. Aus der aufsteigenden Blase ist eine Art Schlauch
geworden, ein sogenannter Bart.
Diese Temperaturverteilung
der Atmosphäre nennt man eine labile Schichtung. Die labile
Schichtung ist der tatsächliche Motor der thermischen
Aufwinde und entsteht zum Beispiel, wenn kalte Luft in ein
Gebiet einfließt, in dem der Boden durch mehrtägigen
Sonnenschein erwärmt wurde. Dann erwärmt sich diese
Luftmasse allmählich von unten her bis eine labile
Schichtung erreicht ist. Die thermischen Aufwinde führen
dann solange zu einem Temperaturausgleich zwischen unteren
und oberen Luftschichten, bis wieder eine stabile Schichtung
entstanden ist.
Die Aufwinde benötigen bei
labiler Schichtung dann nur noch einen kleinen Auslöser, um
sich zu entwickeln. Dies kann eine punktuelle Erwärmung
durch Sonnenschein sein, z.B. ein Fabrikdach. Oft reicht
aber auch schon ein Traktor, der über ein Feld fährt, oder
auch nur eine Unregelmäßigkeit in der Landschaft wie eine
Waldkante, ein kleiner Hügel oder ein Sendemast.
Die Segelflieger versuchen
nun, durch enge Kreise möglichst im Zentrum dieser Aufwinde
zu bleiben. Wenn das obere Ende des Aufwindes erreicht ist,
fliegt man mit hoher Geschwindigkeit solange in Richtung der
geplanten Strecke, bis die Höhe verbraucht ist.
|
Wellenaufwind
Beobachtet man einen schnell
fließenden Gebirgsbach, in dem ein großer Stein oder Fels
liegt, so bemerkt man oft folgende Situation:
Beim Überfließen des
Hindernisses bildet das Wasser einen Buckel und hinter dem
Hindernis eine Art Tal. Etwas dahinter folgt ein weiterer
Buckel, obwohl sich an dieser Stelle kein Hindernis mehr
befindet. Was man dort beobachtet, ist eigentlich nichts
anderes als eine Welle, nur daß diese sich immer an der
gleichen Stelle befindet, da sich anstelle der Welle das
Wasser fortbewegt. In der Atmosphäre kann genau das gleiche
Phänomen auftreten, vorausgesetzt, die Luftmasse verhält
sich ähnlich wie das strömende Wasser, was bei einer
stabilen Luftschichtung tatsächlich der Fall ist. An die
Stelle der Steine treten Bergketten, die quer zur
Windrichtung liegen. Insofern sind die Verhältnisse ganz
ähnlich wie beim Hangwind. Befindet sich nun genau dort, wo
die Nachschwingung wiederum einen Wellenberg hat, eine
weitere Bergkette, wird dieser Wellenberg durch einen
Resonanzeffekt deutlich höher sein, als der über der ersten
Bergkette. Im Unterschied zum Hangwind findet man in bei
Wellenaufwinden die besten Steigmöglichkeiten nicht an der
ersten Bergkette, sondern erst dahinter, also bei der
zweiten oder dritten Welle. Daher spricht man auch von
sogenannten Leewellen ( Lee = windabgewandte Seite).
Das Vorhandensein von Bergen
ist nun nicht, wie man meinen könnte, unbedingt erforderlich
für die Entstehung von Wellenaufwinden. Auch andere
Erscheinungen in der Atmosphäre können solche Aufwinde
erzeugen, man spricht dann von Scherungswellen oder auch
thermischen Wellen.
Wellenaufwinde können bis in
die Stratosphäre reichen. Dabei werden
Steiggeschwindigkeiten von mehr als 15 m/s erreicht, wie
sonst nur im Gewitter, aber ohne die gefährlichen
Turbulenzen. |
|
|